

Der Geheimcode des Geschichtenerzaehlens
DRamatologische Perspektive
auf eine menschliche Universalie
Lehrforschungsprojekt an den Universitäten Bayreuth,
Zeppelin University Friedrichshafen, City Varsity Johannesburg
Durchführung: Dr. Thorolf Lipp
Zu diesem Thema ist ein Buch in Bearbeitung
SYNOPSIS
Das Projekt untersucht, gleichsam unter der von Panofsky formulierten Leitfrage „Gibt es (versteckte) Master Narratives“ die Dramentheorie des amerikanischen Drehbuchautors Christopher Vogler. Dessen Buch „Die Odyssee des Drehbuchschreibers“ (1998) basiert im weiteren Sinne auf Platos Lehre von den Archetypen und bezieht sich unmittelbar auf vom platonischen Denken beeinflußte Forscher wie Joseph Campbell, Carl Gustav Jung, Mircea Eliade, Otto Rank, Theodore Gaster oder Fitzroy Raglan. Voglers Buch ist in den letzten 10 Jahren zu einer Art omnipotenten Gebrauchsanweisung für eine große Anzahl an Drehbuchautoren geworden und hat vor allem, aber keinesfalls ausschließlich, die narrativen Strategien des amerikanischen Studiosystems nachhaltig beeinflußt.
Im Projekt, das neben Literaturrecherchen auch Lehrforschungsveranstaltungen an den Universitäten Bayreuth, Zeppelin University Friedrichshafen und City Varsity Johannesburg/Südafrika umfaßte, wurden im Rahmen von studentischen Übungen knapp 20 Filme aus ganz unterschiedlichen kulturellen Kontexten in Hinblick auf Voglers Dramentheorie analysiert. Dabei wurde insbesondere gefragt, ob das von Vogler für das Gelingen einer Narration für universal gehaltene Moment der „Reise des Helden“, die im weiteren Sinne für „Entwicklung“ steht, von Vogler aber in Hinblick auf die Reihenfolge mit einer sehr genauen Abfolge von einzelnen Schritten relativ eng gefaßt wurde, tatsächlich in allen untersuchten Filmen vorgefunden werden konnte. Die gleiche Frage wurde in Hinblick auf die Figurenkonstellation gestellt, von der Vogler ebenfalls behauptet, sie entspreche bei „erfolgreichen“ Filmen einem immer gleichen Schema aus Held, Mentor, Schwellenhüter, Herold, Gestaltwandler, Schatten und Trickster.
Die Grundfrage ist hier die nach dem Verhältnis von „Unity“ und „Diversity“ kultureller Erscheinungen. Sie scheint simpel, bleibt jedoch im Grunde unlösbar, und wird, in ihren verschiedensten Schattierungen, in allen literatur- und kulturwissenschaftlichen Disziplinen erörtert. Trifft Voglers Behauptung, eine lineare, plotbasierte Dramaturgie stelle eine anthropologische Universalie dar, zu, oder spiegeln sich hier lediglich die historisch gewordenen Erzählgewohnheiten des judäochristlichen Abendlandes wider. Die Vorstellung eines linearen Ablaufs der Zeit resultiert ja nicht zuletzt aus dem Topos der Vertreibung aus dem Paradiese und der den Menschen daraus erwachsenen Aufgabe, sich dem Paradies – als postuliertes Endziel des individuellen wie kollektiven Lebensweges – wieder anzunähern. Demgegenüber stehen nicht nur z.B. die zyklischen Vorstellungen der östlichen Religionen, Naturreligionen etc., sondern auch die stete Suche z.B. moderner Medienkünstler nach der „ganz anderen“ Narration.
Zum Forschungsprojekt entsteht derzeit ein Buch, welches die wichtigsten Ergebnisse zusammenfaßt und anhand von zehn ausgewählten Filmanalysen plastisch werden läßt. Beiträge stammen von Daniel Schulz: Filmanalyse von „Muxmäuschenstill“; Antonia Clara Brell: Filmanalyse von „Wächter der Nacht”; Clara Petto: Filmanalyse von: „In the mood for love“; Arne Orgassa: Filmanalyse von „Arlington Road“; Theresa Albig: Filmanalyse von „Gegen die Wand“; Monique Stolz: Filmanalyse von „Paris Selon Moussa“ Gitta Rappl & Jasmin Srouji: Filmanalyse von „Paradise Now“; Steffi Guhl: Filmanalyse von „Oldboy“; Thorolf Lipp: Filmanalyse von „Tsotsi“; Iva Koeva: Filmanalyse von „Marrakesch“
Publikationen zum Thema (Auswahl):
Brent Plate, S. ( 2003)
Representing Religion in World Cinema
Filmmaking, Myth Making, Culture Making.
New York. Palgrave Macmillan.
Campbell, Joseph (1999)
Der Heros in tausend Gestalten.
Frankfurt/Main. Insel
Eliade, Mircea (1990)
Das Heilige und das Profane.
Vom Wesen des Religiösen.
Frankfurt am Main. Suhrkamp.
Eliade, Mircea (1988)
Mythos und Wirklichkeit
Frankfurt am Main. Suhrkamp.
Gaster, Theodore (1950)
Die ältesten Geschichten der Welt.
Berlin. Wagenbach
Hofmann, Heinz (1999)
Antike Mythen in der europäischen Tradition.
Tübingen. Attempto
Hübner, Kurt (1985)
Die Wahrheit des Mythos.
München. C.H. Beck Verlag
Kerenyi, Karl (Hg.) (1976)
Die Eröffnung des Zugangs zum Mythos
Darmstadt. Wissenschaftliche Buchgesellschaft
Raglan, Fitzroy (1956)
The Hero – A Study in Tradition, Myth and Drama
London. Watts
Raglan, Fitzroy (2004)
The Life giving Myth.
London. Routledge
Rank, Otto (1922)
Der Mythos von der Geburt des Helden.
Wien. Turia&Kant.
Vogler, Christoph (1998)
Die Odyssee des Drehbuchschreibens. Über die mythologischen
Muster des amerikanischen Erfolgskinos.
Frankfurt/Main. zweitausendeins.
Voytilla, Stuart (1999)
Myth and the Movies. Discovering the Mythic Structure
of 50 Unforgettable Films.
Los Angeles. Michael Wiese Productions.
Weston, Jesse (1920)
From Ritual to Romance
Princeton, New Jersey
